Ein Folatmangel kann für die Gesundheit schwerwiegende Folgen haben, denn Folat ist ein wichtiges Vitamin für das Wachstum sowie die Entwicklung von Zellen und ist an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt. Zum Ausgleich werden häufig Folsäure-Präparate empfohlen. Sie sind günstig im Preis und gelten als einfach einzunehmen.
Doch nicht jeder Mensch kann Folsäure verwerten – und hohe Dosierungen über einen längeren Zeitraum werden in Studien mit möglichen Risiken in Verbindung gebracht. Ein Mangel kann mit natürlichem, bereits bioaktivem Folat (5-MTHF) ausgeglichen werden, da diese Form keine aufwendige Umwandlung in der Leber erfordert.
Welche Aufgaben hat Folat?
Folat ist für die Zellteilung und die Blutbildung unverzichtbar. Es ist am Aufbau eines normalen Immunsystems beteiligt und fördert die Bildung von Aminosäuren, die für die Protein-Synthese gebraucht werden. Einige Proteine wie Botenstoffe, Hormone oder Enzyme haben stoffwechselregulierende Eigenschaften, andere sind am Aufbau von Geweben beteiligt (z. B. der Haut).
In Studien wurde Folat im Zusammenhang mit Müdigkeit und Stimmung untersucht. Folat trägt zum normalen Homocystein-Stoffwechsel bei – ein erhöhter Homocysteinwert gilt in der aktuellen Forschung als Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen. Ob und in welchem Ausmaß eine Folatergänzung kardiovaskuläre Ereignisse beeinflusst, ist in Studien unterschiedlich bewertet worden.
Insbesondere Schwangere haben einen hohen Folat-Bedarf. Das B-Vitamin ist für die Entwicklung und Reifung der ungeborenen Kinder von Bedeutung. In Studien wurde beobachtet, dass eine ausreichende Folatversorgung vor und zu Beginn der Schwangerschaft mit einem geringeren Vorkommen von Neuralrohrdefekten (Fehlbildungen von Gehirn und Rückenmark) assoziiert war. Außerdem trägt Folat zur normalen Entwicklung des mütterlichen Gewebes während der Schwangerschaft bei. Ein Zusammenhang mit dem Risiko für Plazentaablösungen wurde in einzelnen Studien untersucht, die Datenlage ist hier dünn.
Ursachen von Folatmangel
Ein Mangel an Folat ist die häufigste Vitaminunterversorgung in der westlichen Bevölkerung. Männer nehmen nur etwa die Hälfte der empfohlenen Tagesdosis von 300–400 µg Folat ein, Frauen sogar noch weniger, obwohl das B-Vitamin für sie besonders wichtig ist. Dafür gibt es mehrere Ursachen.
Die natürlichen Folate in Lebensmitteln reagieren äußerst empfindlich auf Licht, Sauerstoff und hohe Temperaturen. Sie werden durch Transport, lange Lagerung und die Zubereitung der Speisen bis zu 90 % zerstört. Deshalb ist eine ausreichende Versorgung über die Nahrung allein schwierig, selbst für Vegetarier und Veganer.
Der Folat-Stoffwechsel hängt eng mit dem Vitamin-B12-Status zusammen. Ist zu wenig Vitamin B12 vorhanden, wird der Folat-Stoffwechsel in der Zelle gestört oder kommt zum Erliegen.
Raucher, Schwangere, Stillende, Sportler und Menschen mit hohem Alkoholkonsum haben einen erhöhten Folat-Bedarf. Bei Magen-Darm-Erkrankungen sowie bei Einnahme bestimmter Medikamente oder der Anti-Baby-Pille kann die Aufnahme der Folate gestört sein.
Ein weiterer Grund für Folatmangel ist genetisch bedingt: Bei einem Teil der Bevölkerung arbeitet das Enzym MTHFR für die Umwandlung von Folsäure zu aktivem Folat nur eingeschränkt. Diese Personen können Folsäure schlechter verwerten – unabhängig von der eingenommenen Menge.
Symptome bei Folatmangel

Folat ist für die Bildung des Erbguts (DNA) notwendig. Bei einer schlechten Folatversorgung kann es zu Zellteilungs- und Wachstumsstörungen sowie Blutarmut (megaloblastäre Anämie) kommen.
Weitere beobachtete Symptome sind ein schlechtes Hautbild, ein blasser Teint, eine verminderte Leistungsfähigkeit sowie Müdigkeit und Erschöpfungszustände.
In Studien wurden bei Folatmangel auch schlechte Laune und depressive Verstimmungen beobachtet. Ein Zusammenhang zwischen Folatversorgung und Stimmung ist Gegenstand laufender Forschung. Ein weiteres Zeichen eines Folatmangels kann ein geschwächtes Immunsystem und eine erhöhte Infektanfälligkeit sein.
Folatmangel in der Schwangerschaft wird in Studien mit Fehl- und Frühgeburten, vermindertem Geburtsgewicht, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sowie Neuralrohrdefekten wie dem "offenen Rücken" (Spina bifida) in Verbindung gebracht. In einzelnen Studien wurde auch eine ungewollte Kinderlosigkeit mit einer schlechten Folat-Versorgung assoziiert – die Datenlage dazu ist noch begrenzt.
Folatmangel und der Folsäure Folat Unterschied
Folsäure: was Studien zu möglichen Risiken zeigen
Wer den Folsäure Folat Unterschied verstehen möchte, sollte auch die Diskussion um mögliche Risiken hoher Folsäuredosen kennen. Da der Körper keine natürlichen Regelmechanismen für synthetische Folsäure besitzt, gibt es keine physiologische Obergrenze für deren Aufnahme 1. In Studien wurde beobachtet, dass nicht umgewandelte Folsäure sich im Blut anreichern und dort zirkulieren kann 2.
In mehreren Studien wurde eine dauerhaft hohe Folsäure-Dosierung (ab etwa 1000 Mikrogramm täglich) mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Krebsarten in Verbindung gebracht, darunter Prostatakrebs 4 und Dickdarmkrebs 5. In einer weiteren Untersuchung wurde bei hohen Folsäure-Blutspiegeln eine verringerte Aktivität der natürlichen Killerzellen des Immunsystems beobachtet 6. Auch ein möglicher Zusammenhang mit Autismus, Asthma und Insulinresistenz bei Kindern hoch dosiert supplementierender Mütter wurde in Studien untersucht.
Besonders relevant für die Diagnose: Im Labor werden die Blutkonzentrationen von Folat und Folsäure häufig zusammengefasst. Da der Körper den Folat-Spiegel regulieren kann, nicht aber zu hohe Folsäure-Konzentrationen, können hohe Messwerte eine gute Versorgung vortäuschen, obwohl der eigentliche Folat-Bedarf nicht gedeckt ist.
Was die Forschung zum Folsäure Folat Unterschied noch nicht abschließend beantwortet
- Wie hoch der Anteil der Bevölkerung mit relevanter MTHFR-Einschränkung tatsächlich ist und wie stark das praktische Auswirkungen auf die Versorgung hat
- Ab welcher Folsäure-Dosierung und -Dauer Risiken klinisch relevant werden – die Studien liefern hier unterschiedliche Schwellenwerte
- Ob die Supplementierung mit 5-MTHF in allen Bevölkerungsgruppen der Folsäure klar überlegen ist oder nur bei MTHFR-Defekt einen messbaren Unterschied macht
- Langzeiteffekte einer dauerhaften 5-MTHF-Supplementierung über Jahre
- Warum manche Personen trotz gleicher Folatversorgung sehr unterschiedliche Blutspiegel aufweisen
Quellenangaben:
1 The extremely slow and variable activity of dihydrofolate reductase in human liver and its implications for high folic acid intake. Steven W. Bailey and June E. Ayling, PNAS, 2009
2 Folic acid metabolism in human subjects revisited: potenzial implications for proposed mandatory folic acid fortification in the UK. Wright AJ, Dainty JR, Finglas PM., Br J Nutr. 2007
3 Meta-analysis of cancer risk in folic acid supplementation trials. Baggott JE, Oster RA, Tamura T, Cancer Epidemiol. 2012
4 Folic Acid and Risk of Prostate Cancer: Results From a Randomized Clinical Trial. Jane C. Figueiredo et al., J Natl Cancer Inst. 2009
5 Folsäure – Ein Vitamin mit zwei Gesichtern. Anke Brodmerkel, Frankfurter Rundschau, 11.02.2018
6 Unmetabolized folic acid in plasma is associated with reduced natural killer cell cytotoxicity among postmenopausal women. Troen AM et al., J Nutr. 2006